Lewis Carroll und seine Alice

Lewis Carroll, Foto von Oscar Gustave Rejlander, 1863

Lewis Carroll (* 27. 01.1832 in Daresbury im County Cheshire; † 14.01.1898 in Guildford im County Surrey) hieß eigentlich Charles Lutwidge Dodgson). Er war ein berühmter britischer Schriftsteller sowie erfolgreicher Fotograf, außerdem Mathematiker und Diakon. Eine interessante Mischung! Seine berühmten Bücher über Alice im Wunderland kennt heute noch jedes Kind.

Unzählige Verfilmungen in allen Varianten existieren, eines der jüngsten Werke ist der Film mit Johnny Depp in der Rolle des verrückten Hutmachers. Damals wurden seine Werke als „Nonsense-Literatur“ bezeichnet.

Zitat aus dem Film mit Johnny Depp:
Hutmacher: „Habe ich den Verstand verloren?“ (Have I gone mad?)
Alice: „Ich fürchte, ja. Du bist nicht mehr bei Sinnen. Aber ich verrate dir was: Das macht eben die Besten aus!“ (‚m afraid so; you’re entirely bonkers. But I’ll tell you a secret: all the best people are.)

Dodgson alias Carroll stammte aus einer nordenglischen Familie mit irischen Verbindungen – sein Vater war Pfarrer, sein Großvater Bischof und er selbst wurde Diakon, trat diesen Job aber nie an. Er wurde Zuhause unterrichtet bis er elf war und besuchte im Alter von 12 zwei Privatschulen, wo die Lehrer schnell feststellten, wie genial der Junge war. Er hatte schon früh Geschichten und Theaterstücke für seine Geschwister geschrieben. In der Zeit auf den Privatschulen widmete er sich jetzt intensiv der Literatur. In der Schule selbst fühlte er sich nicht besonders wohl und er war auch körperlich angeschlagen. Von einem Keuchhusten her stammte eine Schwerhörigkeit und außerdem war er Stotterer. Zwei Gründe, warum er sich lieber mit Literatur als seinen Mitschülern beschäftigte – wenngleich er aber nicht so schlimm stotterte, dass eine Kommunikation mit anderen nicht möglich gewesen wäre.

Als er im Mai 1850 das College besuchte, wählte er selbstverständlich neben der Mathematik und Theologie auch klassische Literatur als Unterrichtsfach. Das Lernen fiel ihm leicht und er schloss mit Bestnoten ab, wurde sogar als Tutor für Mathematik in eben diesem College eingestellt. Nur leider gefiel ihm dieser Job überhaupt nicht. 1882 wurde er dort zum Kurator, gab 1892 jedoch auch diese Stelle auf. Während seiner Zeit am College veröffentlichte er viele Abhandlungen zu mathematischen Themen, für die er aber keinen Blumentopf gewann, da ihm später einig Fehler darin nachgewiesen werden konnten. Sein Talent lag eindeutig in einem anderen Bereich …

1856 veröffentlichte er seine Gedichte und Parodien in der Zeitung „The Train“ und benutzte dazu erstmals sein Pseudonym Lewis Carroll. In diesem Jahr begann er, sich mit der Fotografie zu beschäftigen und legte sich eine neue Kamera für eine damals beträchtliche Summe zu. Ab 1871 nannte er ein gut ausgestattetes Atelier sein Eigen. Für seine Fotografien benötigte er Motive – und das bekannteste davon war Alice Liddell, die Tochter des Dekans von Christ Church, dem College, an dem er unterrichtete.

1861 wurde er zum Diakon geweiht, trat aber seine Stelle gar nicht an. Stattdessen begann jetzt seine Karriere als Schriftsteller. Die Inspiration für „Alice im Wunderland“ stammte von einem Bootsausflug, den er mit Freunden unternahm, darunter die kleine Alice Liddell, die er öfters fotografiert hatte. Seine Geschichten faszinierten die anderen und sie baten ihn, diese aufzuschreiben – als er im Februar 1863 mit dem 90-seitigen Aufschrieb fertig war, lag das Manuskript für eines der berühmtesten Kinderbücher der Welt vor. Doch erst als er es noch liebevoll eigenhändig illustriert hatte, war zwei Jahre später das Buch fertig und er übergab es 1864 mit persönlicher Widmung an Alice.

Beginn des ersten Kapitels der Alice, Urfassung, 1864

Leider zerbrach die Freundschaft zwischen Lewis Carroll und den Liddels aus unbekannten Gründen.

Als die Kinder seines Freundes, des schottischen Schriftstellers George Mac Donald, hellauf begeistert waren von „Alice im Wunderland“ gab dies den Ausschlag dafür, dass Lewis Carroll das Werk veröffentlichte. Es erschien in erweiterter Fassung 1865, waren aber vom Zeichner John Tenniel illustriert, da sich die eigenen Illustrationen von Lewis Carroll nicht dazu eigneten, gedruckt zu werden. Das Buch fand begeisterten Anklang, unter anderem beim Kollegen Oscar Wilde und Königin Victoria.

Als Lewis Carroll 1886 wieder Kontakt zu den Liddels aufnehmen konnte, erhielt er von Alice die Erlaubnis, eine Faksimile-Ausgabe zu drucken, die Ende 1886 in einer Auflage von 5.000 Stück erschien. Das Originalmanuskript wurde 1928 von Alice zum Verkauf freigegeben und ist heute im „Manuscript Room“ im Britischen Museum in London ausgestellt.

Die Fortsetzung „Alice hinter den Spiegeln“ begann Lewis Carroll während seiner Russlandreise im Jahr 1867 zu schreiben. 1871 wurde es veröffentlicht. Im Gegensatz zu der fortlaufenden Geschichte aus dem ersten Teil bestand die Fortsetzung aber hauptsächlich aus einzelnen Geschichten und Gedichten. Inspiriert wurde er dabei rein zufällig von einem kleinen Mädchen namens Alice Raikes.

Weitere Werke folgten.

Sein letztes Lebensjahr verbrachte er bei seinen Schwestern, geplagt von ständigen Erkältungen. Am 14. Januar 1898 starb er dann an den Folgen einer Lungenentzündung. Sein Grab befindet sich auf dem Mount Cemetery Friedhof in Guildford, wo nicht nur sein realer Name „Rev. Charles Lutwidge Dogson“, sondern auch sein Pseudonym „Lewis Carroll“ auf den Grabstein gemeißelt wurde.

Bücher von Lewis Carroll gibt es hier:

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Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lewis_Carroll
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Lewis_Carroll_1863.jpg
https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Manuskript_Alice_1._Kapitel.jpg&filetimestamp=20080907063715&