Bücher landen immer wieder einmal auf dem Index, wenn sie für politisch inkorrekt, anstößig oder in einer sonstigen Art und Weise ungeeignet erscheinen. Ganz besonders sorgen natürlich erotische Romane für die Erhitzung der Gemüter.

Die Menge an „Erotik“, die enthalten sein muss, um einen Skandal zu verursachen, hat sich allerdings im Laufe der Zeit verändert. Heute finden sich in Krimis, Thrillern oder Horror-Filmen genauso häufig derbe Kraftausdrücke mit sexuellem Inhalt wie in explizit erotischen Romanen.

Ganz davon abgesehen boomt dieser Sektor ganz besonders. Ein Skandal ergibt sich dann nur noch durch die Art und Weise der Darstellung. Beispielsweise beim ersten Buch über gleichgeschlechtliche oder gemischtrassige Beziehungen – damals zur Zeit der Rassentrennung undenkbar.

Lady Chatterley’s Liebhaber – D. H. Lawrence

Ein besonderes Beispiel für einen erstklassigen Skandal war das Buch „Lady Chatterley’s Lover“ vom englischen Schriftsteller David Herbert Lawrence (1885 – 1930). Der studierte Pädagoge und Sohn eines Bergmanns und einer Lehrerin verarbeitete in diesem Buch über die Liebschaft eines Mannes aus einfachen Verhältnissen mit einer Dame von höherem Stand eigene Eindrücke und Erfahrungen. Vielleicht, weil sein Vater als Bergmann für seine Mutter damals ebenfalls nicht standesgemäß war? Diesen Punkt verarbeitete er neben weiteren psychologischen Details und einer gewissen Gesellschaftskritik in all seinen Werken, die jedoch weniger bekannt sind als Lady Chatterley und auch keinen derartigen Skandal verursacht haben.

Drei seiner Bücher sind im Projekt Gutenberg online einsehbar. Die Originalfassung von 1928 kann (auf Englisch) als E-Book online geliehen werden. Wer sich wirklich mit dem Werk beschäftigen möchte, sollte es sich allerdings lieber in einer deutschen Fassung kaufen.

In dem Buch wird nicht nur Ehebruch und Liebe thematisiert, sondern die sexuellen Aktivitäten auch explizit beschrieben – zu viel für die prüden Engländer der damaligen Zeit. Das Werk wurde in drei verschiedenen Varianten verfasst, mit jeweils anderem Ausgang und sorgte in den 1960er Jahren sogar für einen Gerichtsprozess (mehr darüber im Bericht des SPIEGEL von 1959), weil Penguin Books die unzensierte Version veröffentlicht hatte. Penguin gewann das Verfahren und verkaufte im Anschluss über zwei Millionen Bücher.

2018 wurde eine ganz besondere Ausgabe bei Sotheby’s für über 63.000 Euro versteigert. Nämlich die, die der Richter, der über den Fall entscheiden sollte, besaß. Seine Frau hatte ihm im Buch die anstößigen Stellen unterstrichen und ihm eine Tasche genäht, in der er das Buch heimlich transportieren konnte.

Heute würde das Werk die Gemüter nicht mehr erregen, da es längst von weit plastischeren Beschreibungen des Sexlebens der Protagonisten „überholt“ wurde. Als Klassiker ist es jedoch aus der Buch- und Filmwelt nicht mehr wegzudenken.

Buch:

Das Delta der Venus

Einen solchen Schock wie Lady Chatterley verursacht hatte, gab es bei Anaïs Nin (1903 – 1977) nicht, wenngleich das Buch der amerikanischen Schriftstellerin mit kubanisch-spanischen Wurzeln trotzdem wegen seiner freizügigen Beschreibungen und Liebesspielen Anstoß erregte. Anregungen für das Buch entnahm sie problemlos ihren eigenen Tagebüchern.

Der relativ geringe Schock lag sicherlich auch daran, dass die erotische Kurzgeschichtensammlung „Das Delta der Venus“ erst 1977 erschien, also 50 Jahre nach dem ersten Skandal, den Lady Chatterley verursacht hatte. Nach der Hippie-Zeit und der propagierten freien Liebe hielt sich die Empörung in Grenzen. Dennoch sorgte das Buch für große Aufmerksamkeit, um es vorsichtig auszudrücken. Auch Ihre Tagebücher und weitere Werke sind in Buchform erhältlich. Die Verfilmung des Buches liegt schon länger zurück und die DVDs sind nur gebraucht zu kaufen oder als Amazon Prime Video zu sehen.

Buch:

 

Feuchtgebiete – Charlotte Roche

Nach dem Schock der offenen Erzählung über Lady Chatterleys Liebhaber und den anschaulichen Berichten von Anaïs Nin kam längere Zeit nichts – bis Charlotte Roche (Jahrgang 1978) auf den Plan trat. Die ehemalige Viva-Moderatorin veröffentlichte mit „Feuchtgebiete“ und dem darauffolgenden „Schoßgebete“ (mit autobiografischem Charakter) zwei skandalträchtige Bücher.

Dabei lag es in diesem Fall weniger daran, dass sie etwas über Sex schrieb oder offen einen pornografischen Begriff verwendete. Nein, bei ihr lag es daran, dass sie versuchte, mit verschiedenen Tabus zu brechen und die Ekelgrenzen auszutesten, wenn sie über Analfissuren, Menstruationsblut, Eiter oder Sperma berichtete und kein Blatt vor den Mund nahm, wenn es um Selbstbefriedigung ging.

Buch Feuchtgebiete:


Buch Schoßgebete:

 

50 Shades of Grey – Trilogie von E L James

Man sollte meinen, dass man nur eigentlich alles gelesen und gesehen hat und Bücherfreunde mit nichts mehr zu schocken wären – weit gefehlt. Denn nun war es an der Zeit, mit einem neuen Tabu zu brechen: Sado-Maso-Spielchen, Bondage und Unterwerfungssex.

In drei Bänden berichtet die ehemalige Produktionsleiterin einer Fernsehproduktionsfirma E L James (bürgerlicher Name Erika Mitchell) von der jungen Studentin Anastasia, die sich in den reichen und gutaussehenden Christian Grey verliebt. Blöd nur, dass dieser Traummann keine normalen Beziehungen haben will und kann. Denn er bietet Frauen anstatt ehrlicher Gefühle eine Art Pseudobeziehung, die er vertraglich regelt.  Diese Damen sind seine „Subs“, seine Untergebenen. Gefühle sind praktisch ausgeschlossen.

E L James führt die Leser in ein bisher nicht breit publiziertes Genre ein – das Bondage-Sado-Maso-Metier, verpackt in eine ungewöhnliche Liebesgeschichte und gespickt mit vielen Fesselspielen. Das Buch hat für viel Wirbel gesorgt, denn die Geschichte wird als eher „platt“ beurteilt und die beschriebenen Bondage- und Sado-Maso-Beschreibungen klischeehaft und falsch, wie Szenen-Insider sich einig sind. Auch wenn es eine große Bevölkerungsgruppe gibt, die sich offen zu dieser sexuellen Variante des Unterwerfungssex bekennt, gibt es auch Kritiker.

Eben gerade weil die Bücher eben nur Romane sind, sind sie weit von der Realität entfernt und erwecken beim Publikum von Buch und Film völlig falsche Vorstellungen. Auch der Film, auf den alle gespannt gewartet haben, wohl vor allem diejenigen, die lieber einen Film sehen, als ein Buch zu lesen, wirkte nicht ganz überzeugend, was wohl auch daran lag, dass die Hauptdarsteller Dakota Johnson und Jamie Dornan sich nicht ganz grün waren. Jamie wollte sogar die Rolle am liebsten hinschmeißen.

Dennoch sprechen mehrere Millionen verkaufte Bücher dafür, dass E L Mitchell nicht alles falsch gemacht haben kann. Sie hat den Lesern eine Parallelwelt geöffnet, die es so nicht gibt, was aber in Büchern völlig normal ist. Auch das Harry Potter Universum kann man schlecht nach seiner Faktengenauigkeit der Zaubersprüche und Utensilien beurteilen. Die Kritik der Insider, die die falschen Fakten bemängeln, sollten also nicht dazu führen, die Bücher an sich abzulehnen. Aber viele sehen auch mit einem Grinsen und Kopfschütteln darüber hinweg. Denn ein Roman ist eben ein Roman und kein Sachbuch.

Wer eine ungewöhnliche Liebesgeschichte erleben will, der kann dieser Trilogie sicherlich etwas abgewinnen. Ob man die Filme dazu ebenfalls sehen muss, bleibt jedem selbst überlassen. Sie sind auf jeden Fall interessant und als Blue-Ray-Collection mit allen 3 Teilen preiswert zu haben.

Unser Fazit:

Die Leser gewöhnen sich nach jedem Schock und Tabubruch schnell an die neuen Grenzen, die diese Skandal-Bücher gesetzt haben. Außerdem kurbeln sie für die Verlage und Autoren auch das Geschäft an. Skandalbücher verkaufen sich nämlich im Allgemeinen recht gut. Schon alleine, weil die Leser ihre Neugier befriedigen wollen. Die große Frage ist nun aber: wenn schon alles da war, womit man das Publikum schocken kann, welcher Skandalinhalt könnte diese Buchthemen dann jetzt noch toppen?

Die drei Bände: