Der britische Schriftsteller Ian McEwan ist bekannt für seinen besonderen Stil. Wie es die deutsche Literaturkritikerin Felicitas von Lovenberg in ihrer Beurteilung von „Abbitte“ so schön formuliert: „McEwan liebt es, gewöhnliche Menschen mit ungewöhnlichen Situationen zu konfrontieren, und es gelingt ihm immer wieder bravourös, im Leser die Ahnung von unmittelbar bevorstehenden Katastrophen zu wecken.“

McEwan hat mehrere Literaturpreise abgestaubt und unzählige Bücher geschrieben, die auch verfilmt wurden. Große Aufmerksamkeit erregte der Film „Das zweite Gesicht“, dessen Drehbuch aus McEwans Feder stammte. Die Hauptdarsteller Macaulay Culkin und Elijah Wood wurden für ihre schauspielerischen Leistungen ebenfalls gelobt. Elijah Wood erhielt 1994 den Saturn Award und Macaulay Culkin wurde als „Bester Bösewicht“ für den MTV Movie Award nominiert.

In seinem Werk „Maschinen wie ich“ (Machines like me), das erst im Mai 2019 auf Deutsch erschien, befasst sich der Autor mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“. In seiner Realität spielt sich die Zukunft in unserer Vergangenheit (1982) ab und er hat einige Rahmenbedingungen darin geändert: beispielsweise treten die Beatles immer noch gemeinsam auf, da John Lennon nicht ermordet wurde – und auch JFK hat den Anschlag in Dallas überlebt.

In diesem Jahr 1982 können die ersten menschenähnlichen Roboter gekauft werden, die nicht nur gut aussehen, sondern auch extrem intelligent sind. Charlie leistet sich mit „Adam“ (es gibt auch weibliche Modelle namens „Eve“) so einen sehr teuren neuen Hausgenossen, der ihn vor verschiedene ungeahnte Herausforderungen stellt.

Allein die Einrichtung und das Aufladen des 85 kg schweren Roboters, den er nur mit der Hilfe seiner jungen Nachbarin Miranda ins Haus tragen kann, fordern ihm schon alles ab. Während der 16 Stunden Aufladezeit hat er Gelegenheit, das 470 Seiten dicke Handbuch zu lesen, bei dem man sich gleich an unsere modernen elektronischen Geräte erinnert fühlt. Zitat aus der Anleitung, die den tapferen Charlie die Augen rollen lässt: »Vorderteil des B347k Leibchens entblößen, um mit dem sorglos Emoticon des Motherboard Outputs die Stimmungsschwankungen der Penumbra zu mindern.«

Während der Einrichtung des neuen Freundes, der sich, einmal aufgeladen, 12 Tage lang unterhalten kann, verlieben sich Charlie und Miranda und schlittern nach der ersten Freude über den intelligenten Roboter mitten in eine komplexe Dreiecksgeschichte hinein. Denn die modernen Roboter sind nicht nur Gesprächspartner und Haushaltshelfer, sondern auch auf Sex programmiert. Und da „Adam“ immer menschlicher wird und sich in Miranda verliebt …

Hauptsächlich konzentriert sich der Autor in den verschiedenen abstrakten, teils lustigen, teils ernsten Situationen immer auf die Vor- und Nachteile der künstlichen Intelligenz und die moralischen Hintergründe einiger Geschehnisse. Allzuviel soll natürlich nicht verraten werden, aber das Buch zeigt uns hypothetisch, worauf wir möglicherweise zusteuern könnten, wenn sich die KI weiterentwickelt. Mit Humor und technischem Hintergrundwissen schreibt der Autor ein beeindruckendes und empfehlenswertes Buch, das gleichzeitig zum Nachdenken anregt.

Wer übrigens noch weitere Infos zu den Details der Geschichte (Spoiler Alarm!) lesen möchte, kann sich die Beurteilung der FAZ, die Rezension der ZEIT oder die Meinung von SPIEGEL-Online zu Gemüte führen.

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