BUCHTIPP

„Ich bat den Himmel um ein Leben: Eine Mutter erzählt ihre Flucht aus Nordkorea“ von Lucia Jang

Die Protagonistin hat mithilfe einer Übersetzerin und einer Autorin ihre Lebensgeschichte zu Papier bringen lassen. Sie lebt mittlerweile mit ihrem Sohn in Kanada – in Sicherheit.

Lucia beginnt im Buch ihr Leben in Nordkorea von klein auf zu erzählen. Die Lebensumstände der Familie in karger Behausung mit zugeteilten Essensrationen. Der ständige Hunger, das bessere Leben derer, die der Partei angehören. Da ihre Noten nicht sehr gut sind, kann sie nicht Lehrerin werden, sie muss eine technische Schule besuchen. Sie fällt auf einen Kommilitonen herein, der keine festen Absichten hat. Als sie schwanger ist, heiratet er sie dennoch und behandelt sie danach schlecht. Die Familie kann aber die Tochter nicht zu sich zurückholen. Man würde das Gesicht verlieren. Eine Frau ist in Korea ihrem Mann ausgeliefert. Er erhält auch die Essensrationen für Frau und Kind zugeteilt. Ginge sie zu den Eltern, würden weder sie noch ihr Sohn etwas zu essen haben.

Während sie von der Mutter zur Cousine auf Besuch geschickt wird, wird ihr kleiner Sohn an ein reiches Ehepaar verkauft. Obwohl ihn dort ein besseres Leben erwartet, zerreißt es Lucia beinahe das Herz. Sie macht sich auf die Suche nach ihrem Sohn und versucht – verbotenerweise – illegal in China zu arbeiten, um ihrer Familie Geld und Nahrung nach Hause schicken zu können. Doch wer dabei erwischt wird, den Fluss Tumen zu durchqueren, um in China zu arbeiten oder Essen zu tauschen, wird hart bestraft. Wer nicht erschossen wird, dem drohen Arbeitslager oder Gefängnis. Lucia wird gleich mehrfach erwischt.

Schließlich wird sie sogar erneut schwanger (von einem Chinesen, was ein großes Unglück ist, da die Regierung eine Mischung des Blutes von Chinesen und Koreanern nicht billigt und normalerweise eine Abtreibung befielt) und bringt außerhalb des Straflagers ihren zweiten Sohn zur Welt. Diesesmal versuchen ihre Eltern sie zu unterstützen, wo sie beim ersten Sohn versagt haben. Doch es gibt kaum etwas zu essen und so wagt Lucia die spektakuläre Flucht. Mit ihrem Sohn in einer Plastiktüte watet sie durch den eiskalten Fluss Tumen nach China in die Freiheit … Es gelingt ihr, von China nach Südkorea zu gelangen, wo sie zunächst einige Jahre lebt, bevor sie nach Toronto/Kanada geht. Lucia Jang ist nicht ihr echter Name.

Ihre Geschichte in ihren eigenen Worten kurz zusammengefasst auf youtube:

Das Buch ist spannend, weil er einen Einblick in Lebensumstände gewährt, die einem Westeuropäer schlicht nicht vertraut und auch nicht geläufig sind. Das Bild, das von der koreanischen Kultur und Politik gezeichnet wird, ist erschütternd. Hungersnöte, Demütigungen, enge gesellschaftliche Zwänge bilden den Rahmen eines Lebens, das man sich kaum vorstellen kann … Erschütternd. Aber lesenswert.

Das Buch ist hier erhältlich: