Heute sind wir extrem begeistert, einen bekannten Autor im Interview zu haben, der unsere Vorliebe für gute Horrorfilme sowie Stephen King-Bücher teilt.

Wolfgang Brunner stammt aus Freising und lebt als Wahlberliner mit Frau und Kindern sowie gut gefüllter Privatbibliothek in Hamminkeln am Niederrhein. Wolfgangs Background ist sehr faszinierend: er isst kein Fleisch und besaß bis 2018 nicht einmal ein Handy. Stattdessen konzentriert er sich auf die wichtigen Dinge im Leben: Bücher und Filme. Die er übrigens am liebsten Zuhause genießt, damit ihn keine anderen Kinobesucher stören.

Nicht nur seine Vorlieben, auch seine Bücher sind alles andere als Mainstream. Seine Fantasie ist zu vielschichtig, um sich in ein einziges Genre pressen zu lassen, daher schreibt er querbeet. Und er hat für Buchliebhaber sogar ein ganz besonderes „Leckerli“ anzubieten: Er kommt direkt ins eigene Wohnzimmer, um dort eine Lesung abzuhalten – gegen eine Handvoll Dollar natürlich.

Mehr über diesen faszinierenden Autor erfahren wir jetzt gleich aus erster Hand von ihm persönlich.

Bücherwurm: Herzlich willkommen Wolfgang und vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, auf unsere neugierigen Fragen einzugehen. Lass uns direkt loslegen. Du hast dich schon als Kind für Bücher interessiert und auch damals schon nicht nur gelesen, sondern auch frühe Werke verfasst. Kannst du uns darüber etwas berichten? Gab es einen bestimmten Auslöser oder Ansporn für die erste Geschichte und worum drehten sich die frühen Werke?

Wolfgang:

Auslöser war auf alle Fälle Michael Ende, dem ich Ende der 80er Jahre sogar persönlich begegnete und einen kurzen Briefwechsel mit ihm führte. Aber eines nach dem anderen: Lesen war schon immer etwas Besonderes für mich und fing schon relativ früh an, mich an Erwachsenenbücher heranzutrauen. Tolkiens Der Herr der Ringe las ich zum Beispiel, als ich zwölf war.

Genau genommen inhalierte ich ab diesem Zeitpunkt eigentlich alles, was mir zwischen die Finger kam: Von John Sinclair-Heften über Science-Fiction-Romane bis hin zu den Klassikern. Ich wollte irgendwie alles wissen und gelesen haben. Richard Adams, Samuel R. Delany, Michael Ende, J.R.R. Tolkien, Dan Simmons, Philip K. Dick, Tad Williams und Richard Laymon sind nur einige Autoren, nach denen ich innerhalb kürzester Zeit süchtig wurde.

Daraus resultierend konnte es eigentlich gar nicht ausbleiben, dass ich irgendwann einmal selbst versuchte, mir solche Geschichten auszudenken. In dieser Zeit begann ich auch meine eigene Heftchen-Romanreihe zu schreiben. In Schulhefte verfasste ich Abenteuergeschichten um den Dämonenjäger Burt Reynolds (ja, der Schauspieler war damals sowas wie ein Idol für mich) und traute mich dann auch schon bald an ausuferndere Romanprojekte heran.

In erster Linie interessierten mich damals die Genre Horror und Science-Fiction. Ich habe auch viele „Filmbücher“ geschrieben (Krieg der Welten, Colossus, Der Tag, an dem die Erde stillstand – all diese Klassiker).

Foto: Wolfgangs erste Geschichten 

Bücherwurm: Irgendwann blieb es nicht bei kleinen Geschichten, sondern du bist als Autor durchgestartet und kannst heute sogar davon leben. Willst du uns etwas über deinen Werdegang erzählen und was dich davon überzeugt hat, dass das Leben als Autor genau das richtige für dich ist?

Wolfgang:

Tja, da kam dann Michael Ende ins Spiel 😉

Durch ihn und seine Tipps verfestigte sich mein Entschluss, professioneller Schriftsteller zu werden. Nach einem langen, harten und steinigen Weg habe ich dieses Ziel dann irgendwann einmal erreicht. Bis es aber soweit war, sammelte ich, übrigens wie Stephen King, jede Menge Absagen in einem eigens dafür angelegten Ordner.

Anfangs kann man schwer begreifen, dass Verlage das eigene Manuskript ablehnen, wenn man aber einmal hinter die Kulissen sieht und entdeckt, was im Lektorat eines Verlages täglich an Post eingeht, kann man dieses Vorgehen durchaus nachvollziehen. Es gibt einfach zu viele Menschen, die schreiben beziehungsweise manchmal auch nur denken, dass sie schreiben können. 😉 Da bleibt die Flut von Absagen einfach nicht aus. Man darf als Autor niemals aufgeben und muss sich diesem rauen „Leben“ aussetzen, das in der Literaturwelt herrscht.

Um auf die Frage zurückzukommen, warum das Leben als Autor genau das richtige für mich ist. Hmmm, ist es das? Ja, ich würde es immer noch bejahen. Schreiben ist für mich eine Art Lebensinhalt, ohne den ich schwer existieren kann, obwohl es mir derzeit nicht wirklich vergönnt ist, zu schreiben. Ein paar Kurzgeschichten einmal ausgenommen. Ich lektoriere mittlerweile auch für verschiedene Verlage und verfasse Texte für Blu-Ray-Mediabooks, sodass ich momentan an einem akuten Zeitproblem leide. Aber keine Angst, literarischen Nachschub wird es weiterhin von mir geben.

Bücherwurm: Wir haben eingangs schon erwähnt, dass du dich weder als Mensch noch als Autor in ein bestimmtes Genre pressen lässt, sondern verschiedene Themen zu Papier bringst. Worüber hast du bisher geschrieben? Und sehe ich das richtig, dass deine Vorliebe für Horror und Grusel sich auch darin niederschlägt? Was fasziniert dich an diesem Thema besonders?

Wolfgang:

Mein Debütroman „Cryptanus – Der Geruch des Todes“, der übrigens der Auftakt zu einer Trilogie ist, widmet sich einer Existenz nach dem Tod. Ein Thema, über das viele Menschen nicht sprechen wollen (oder können), das mich aber seit Jahrzehnten beschäftigt und fasziniert. Meine Trilogie behandelt, was mit uns Lebewesen nach dem Sterben passiert. Aufbauend auf den damals aktuellsten Erkenntnissen der Sterbeforschung habe ich ein spannendes, aber auch philosophisches und teils esoterisches Abenteuer verfasst, das an die Grenzen unserer Existenz geht und diese auch überschreitet.

Danach widmete ich mich einem All Age-Jugendbuch, einer fünfteiligen Reihe, die ganz im Sinne von Michael Ende ist und diesem auch posthum von mir gewidmet wurde: „Kim Schepper und die Kinder von Marubor“ lautet der Titel des ersten Teils, der dann mit „… und der Aufstand der Schatten“, „… und das Weinen der Zeit“, „…das Lächeln der Ewigkeit“ und dem abschließenden Band „… und die Angst der Erde“ fortgeführt wurde. Eine Buchreihe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen.

Es folgte der Horror-Roman „Nachtzug“, eine historische, regionale Geschichte unter dem Titel „Die Weiße Frau“, die persönliche Liebesgeschichte „Der Schmetterlingsmann“ (der übrigens auch von der Elektronikband Pyramid Peak vertont und live mit mir zusammen auf der Bühne aufgeführt wurde) und der etwas außergewöhnliche Horror-Roman „Die Amduat-Pyramide“.

Danach ging es weiter mit einem Gemeinschaftsprojekt, zusammen mit Rolf Lindau: „Die hellen Schatten der Zeit“, ein historisches Zeitreise-Abenteuer, in dem die Attentate auf Erzherzog Franz Ferdinand, Ghandi und John Lennon wie der Anschlag auf das World Trade Center oder der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima behandelt werden. All diese Katastrophen vereinen sich am Ende zu einem logischen Ende.

Die Kurzgeschichtensammlung „Höllengeschichten“ war dann das erste Buch, das im noch relativ jungen Berliner Redrum-Verlag erschien. Hierin sind klassische, aber auch sehr philosophisch angehauchte Horrorstorys der etwas härteren Art versammelt.

„Kinderspiele“, das zweite Buch in diesem Verlag, behandelt das Tabuthema Kindesmisshandlung auf sehr brutale, aber auch einfühlsame Art und Weise. Vor allem, weil mir dieses Buch sehr am Herzen lag, freue ich mich sehr über die positive Aufnahme der Leser und Leserinnen.

Der nächste Roman mit dem Titel „Scary Monsters“ ist eine literarische Hommage an die Horrorklassiker der „goldenen 80er Jahre“.

Demnächst erscheint mein erster Thriller bei Redrum Books: „Pro-Gen“ erzählt die Geschichte eines Genexperiments in einer Haftanstalt, das aus dem Ruder läuft und eine brutale, blutige Meuterei der Insassen nach sich zieht. Voraussichtlich im September erscheint im neuen Verlag Puput Books mein Märchenroman „Der König und der Schmetterling“, in dem es um die Liebe, andere Emotionen und den Sinn des Lebens geht. Die Handlung erstreckt sich über drei Generationen.

Genretechnisch ist also einiges los, vor allem wenn man noch meine Kurzgeschichten dazurechnet, in denen es um Franz Kafka, Roald Dahl oder auch Arthur Conan Doyle geht.

Bücherwurm: Wow, das sind wirklich eine ganze Menge spannender Bücher. Welches deiner Bücher ist dein persönliches Lieblingsbuch – und warum?

Wolfgang:

Eigentlich sind alle meine Bücher meine Lieblinge. In der Regel ganz besonders immer jenes, das gerade erschienen ist. 😊

Aber müsste ich mich entscheiden, wären dies mein Debüt (ist ja schließlich sowas wie das erste Kind), „Der Schmetterlingsmann“ und „Der König und der Schmetterling“, weil die beiden letzteren einen Einblick in mein Privatleben geben und wie es dazu gekommen ist, dass sich meine Frau Marion und ich lieben, als wäre es ein Märchen …

Bücherwurm: Kannst du neben deinen Buchprojekten, Lesungen und Veranstaltungen überhaupt noch ein wenig Freizeit genießen? Und wie verbringst du deine Freizeit am liebsten? Womöglich mit Lesen?

Wolfgang:

Es bleibt tatsächlich nicht mehr viel Freizeit, zumal ich neben Schreiben, Lektorieren und Texte verfassen auch noch Lesungen organisiere und andere Projekte wie Drehbücher, Vertonungen meiner Werke in Angriff nehmen. In dieser Hinsicht bin ich unbelehrbar und packe ein Projekt nach dem anderen an, ohne über die Auswirkungen auf meine verfügbare Zeit zu nehmen. Ansonsten besteht meine Freizeit aus meiner Familie, Lesen, Musik hören und Filme auf DVD und Blu-ray (kein Fernsehen!) ansehen.

Bücherwurm: Nun sind wir ja schon fast am Ende des Interviews. Lieber Wolfgang, ein Autor hat ja praktisch laufend ein Projekt in Arbeit, auch wenn er noch nicht mit Details hausieren geht. Gibt es etwas, woran du gerade arbeitest und kannst du schon etwas darüber verraten?

Wolfgang:

Derzeit arbeite ich an einem Thriller, der den Arbeitstitel „Der Menschenfresser“ trägt und einer Kurzgeschichte im Science-Fiction-Bereich für den „Strange Tales Club“, einem Autorenkollektiv der verschiedenartigsten SchriftstellerInnen. Eine Zusammenarbeit mit einem Comic-Zeichner ist angedacht, ebenso wie ein philosophischer Science-Fiction-Roman (der im Grunde genommen zwar schon geschrieben ist, aber auf eine umfassende Überarbeitung wartet) und einem illustrierten Kinderbuch, das ebenfalls schon in der Rohfassung samt Zeichnungen fertiggestellt ist. Langweilig wird es mir in nächster Zeit definitiv nicht. Und meinen LeserInnen auch nicht. 😉

Bücherwurm: Das sind enorm viele Projekte. Hut ab! Lieber Wolfgang, vielen Dank für das Interview und deine Zeit und weiterhin viel Erfolg mit allen Büchern und Projekten!

Wolfgang:

Ich habe mich zu bedanken für das nette Interview und die interessanten Fragen.

 

Amazon-Links:

Cryptanus:

Scary Monsters:

Kinderspiele: