6 Fragen an … Walter-Jörg Langbein

W. J. Langbein in Machu Picchu. Foto Willi Dünnenberger

W. J. Langbein in Machu Picchu.
Foto Willi Dünnenberger

Walter-Jörg Langbein ist studierter evangelischer Theologe und freier Schriftsteller. Er befasst sich mit verschiedenen Themen aus dem Bereich der Grenzwissenschaften und recherchiert stets vor Ort, was seine Vielfalt an Fotomaterial belegt, mit denen er seine Bücher und Blog-Beiträge bestückt. Heute hat er sich die Zeit genommen, schriftlich auf die neugierigen Fragen unseres Blogs zu antworten:
 
Lieber Walter, du hast schon über 30 Bücher über grenzwissenschaftliche Themen veröffentlicht und bist Initiator der „Phantastischen Phänomene“, einer Vortragsreihe, die jedes Jahr in Bremen stattfindet und in der es um verschiedene Vorträge aus diesem Bereich geht. Doch eigentlich hast Du Theologie studiert. Das ist auf den ersten Blick verwirrend, das passt irgendwie nicht ganz zusammen, lass uns das gleich näher anschauen.


 
Frage 1: Was hat dich daran gereizt, Theologie zu studieren und warum hast du die Theologie zugunsten der Schriftstellerei wieder aufgegeben? Gibt es da noch bestimmte Auslöser, die du den Lesern erklären kannst?

W.J. Langbein: Da muss ich etwas ausholen. Nachdem ich in der Volksschule das Lesen gelernt hatte, verschlang ich bald mit Leidenschaft die Werke Karl Mays. Ich war begeistert und wollte von Stund‘ an selbst auch Schriftsteller werden. In der Schulzeit schrieb ich dann zunächst kleine Sciencefiction-Geschichten. 1968 entdeckte ich ein faszinierendes Buch: „Erinnerungen an die Zukunft“ von Erich von Däniken. Das war das Thema für mich. Ich fing an, Artikel für kleine private Fachzeitschriften zu verfassen und arbeitete regelmäßig an einem Buchmanuskript. Daraus entwickelte sich nach und nach mein Buch Astronautengötter.

Damals erschien mir die Chance, von der Schriftstellerei leben zu können, als recht bescheiden. Ich musste also wohl oder übel einen „vernünftigeren“ Beruf ergreifen. Studieren wollte ich, aber was? Ich entschied mich für Theologie, allein schon wegen der alten „Bibel-Sprachen“. Es erschien mir mehr als verlockend, das „Alte Testament“ oder „Qum Ran Texte“ vom Toten Meer im Hebräisch des Originals lesen zu können.

Mit dem Studium kamen mir allerdings immer mehr Zweifel an der theologischen Lehre. Ich wollte auf keinen Fall als Geistlicher etwas verkünden, woran ich nicht glauben konnte. So war es nur eine Frage der Zeit, dass ich mein Studium abbrechen würde. Wenn Menschen in die Kirche gehen, müssten sie sich darauf verlassen können, dass ihnen der Pfarrer nichts vorlügt. Übrigens: Die Diskrepanz zwischen Theologie an der Universität und gepredigter Theologie ist eklatant.

1978 und 1979 hielt ich Vorträge auf den Weltkonferenzen der „A.A.S.“ in Chicago und München. In München sprach ich über die Geheimnisse der biblischen Urtexte. Zugegen war als Zuhörer John Fisch, Gründer und Herausgeber von „Magazin 2000“. John Fisch bot mir einen Vertrag für mein Buch „Astronautengötter“. Ich akzeptierte. Und ich beschloss: Jetzt werde ich Schriftsteller und brach mein Studium kurz vor dem Abschluss ab. Weihnachten 1979 erschien mein erstes Buch, „Astronautengötter“, mein Erstling. Ich bin froh, dass „Astronautengötter“ in überarbeiteter Form als eBook wieder erhältlich ist!

Frage 2: Du hast über sehr viele Themen berichtet, gibt es ein Lieblingsthema, das dich auch nach all den Jahren immer noch am meisten fasziniert? Und falls ja, warum gerade dieses Thema?

W.J. Langbein: Mich fasziniert nach wie vor die Theorie von den „Astronautengöttern“. Im Verlauf der Jahre kam ein zweites Thema hinzu. Ich beschäftige mich wieder mit „Theologie“, und zwar mit überkonfessioneller Theologie. Im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte wurde ja leider viel Leid über die Menschen gebracht, weil religiöse Fundamentalisten oft mit Gewalt den eigenen Glauben anderen Völkern aufzwingen wollten. Im religiösen Fundamentalismus sehe ich die größte Gefahr unserer Tage und der Zukunft. Mich fasziniert die Suche nach vorchristlichen Religionsformen, nach der Göttin. Zu diesem Themenkomplex schrieb ich mein Buch „Als Eva noch eine Göttin war“, das ja erst kürzlich erschienen ist.
 
Frage 3: Wie sieht ein normaler Arbeitstag im Hause Langbein aus? Bist du den ganzen Tag mit Bücherschreiben beschäftigt und mit deinem Blog?

W.J. Langbein: DEN typischen Arbeitstag gibt es nicht wirklich. Ich recherchiere Themen, die mich interessieren, zum Beispiel: Was sagt die Bibel über die Zeit vor der Schöpfung aus? Dann lese ich Texte im Original, dazu jede Menge Fachliteratur. Sehr interessant sind alte Bibelübersetzungen, zum Beispiel die von Koberger, anno 1483, also vor Luther publiziert. Sehr wichtig ist die heute kaum beachtete Übersetzung von Piscator, die deutlich besser ist als die von Luther, exakter, genauer.

Da passiert es immer wieder, dass ich sehr früh aufstehe und die Zeit vergesse. Manche Nacht arbeite ich dann durch. Irgendwann stelle ich fest, ausreichend neues Material für ein Buch erarbeitet zu haben. Dann fange ich an Material zu ordnen, ein Buchmanuskript zu schreiben. Meine Frau muss mich dann manchmal vom Rechner weglocken.

Ursprünglich habe ich wenig von eBooks gehalten, inzwischen bin ich begeistert von diesem noch jungen Medium. Es bietet echte Chancen!

Mein Blog erscheint nun Sonntag für Sonntag seit nunmehr fast sechs Jahren. Im Blog berichte ich hauptsächlich über meine zahlreichen Reisen. Ich schwelge dann gern in Erinnerungen, frische fast Vergessenes wieder auf … Das Blogmaterial überarbeite ich inzwischen komplett.

Frage 4: Falls dir genügend Zeit für Freizeit bleibt, welche Hobbys kannst du dann ausüben?

W.J. Langbein: Bei mir ist die Grenze zwischen „Arbeit“ / „Beruf“ und „Freizeit“ / „Hobby“ fließend. Hobbys … Ich gehe mit meiner Frau in ein Fitnessstudio, was uns viel Freude macht, lese nach wie vor Karl May, schaue DVDs …
 
Frage 5: Wenn du selbst Zeit hast, fremde Bücher zu lesen, also von anderen Autoren, sind das dann Bücher zu grenzwissenschaftlichen Themen oder kannst du dich bei Horror, Krimis oder Groschenheften entspannen?

W.J. Langbein: Ich lese so gut wie nichts von Kollegen, TV schau‘ ich so gut wie überhaupt nicht mehr. Ich habe eine umfangreiche DVD-Sammlung. Da gibt es einige Serien, die ich leidenschaftlich gern sehe. Ich liebe den wunderbaren David Suchet als Agatha Christies Hercule Poirot oder Leo McKern als schrullig-liebenswerten Horace Rumpole in der Serie „Rumpole of the Bailey“, oder Robson Green in „Wire in the Blood“, das geht in Richtung „Schweigen der Lämmer“ und natürlich Lucy Lawless in „Xena“. „Xena“ sehe ich natürlich nur aus beruflichem Interesse, wegen der mythologischen Hintergründe … Nicht vergessen darf ich natürlich den herrlichen Peter Falk als „Columbo“.

Ich kann mich bei Horror-Filmen entspannen, da darf es ruhig gruselig-hart zugehen, zum Beispiel bei „Evil Dead“ mit Bruce Campbell. Ich schätze aber auch Stan Laurel und Oliver Hardy, Buster Keaton … „Der General“ mit Buster Keaton, ein Meisterwerk … Boris Karloff, Bela Lugosi.
 
Frage 6: Mit welchem Buchprojekt dürfen wir demnächst von dir rechnen? Um welches Thema wird es sich handeln?

W.J. Langbein: Im Lauf der Jahrzehnte habe ich ein wirklich breites Themen-Spektrum bearbeitet. Dabei habe ich schon lange davon geträumt, einmal eine Buchreihe zu schreiben, die der Vielzahl meiner Themen gerecht wird. Und ich habe es immer sehr bedauert, in meinen Büchern nur einen winzig kleinen Bruchteil der Fotos zeigen zu können, die ich auf meinen Reisen aufgenommen habe.

Nun ist es endlich soweit. Es wird eine eBook-Reihe von mir geben, basierend auf meiner Blog-Serie, die „Fantastische Realitäten“ heißen wird. Da schreibe ich über eine Fülle von Themen der „grenzwissenschaftlichen Art“ und ich kann so viele Fotos wie nie zuvor zeigen!
Ich kann über Erlebnisse der besonderen Art berichten, zum Beispiel wie ich in Südamerika mit Grabräubern unterwegs war. Bei der Fülle von Themen fällt es schwer, ein einzelnes herauszugreifen. Sehr eindrucksvoll war für mich ein Besuch bei den „Wolkenmenschen“ in den Hochanden Nordperus. Faszinierend war meine Reise zur Jahresfeier des „John-Frum-Kults“ in der Südsee. Vor meiner Reise hatte ich keine Ahnung, dass es einen „Luzifer der Südsee“ gibt. Die Fülle und Vielfalt des Materials, die ich in meiner eBook-Reihe ausbreiten darf, ist, gelinde gesagt, verblüffend. Das macht jeden Band der eBook-Reihe so abwechslungsreich.

Es ist für mich wirklich schön, mich schreibend gedanklich an so viele ferne und auch nahe Orte zurück zu versetzen, die ich im Laufe der Jahrzehnte erleben durfte. Es freut mich, dass ich nun Leserinnen und Leser sozusagen noch einmal „mitnehmen“ darf!

Ich schätze mal, dass ich im Rahmen von „Fantastische Realitäten“ weit über 1.000 Fotos vorstellen kann. Band 1 heißt „Monstermauern, Südseegötter und Luzifer“, Band 2 „Galerie der Verdammten“, Band 3 „Götter, Gräber, Astronauten“. Weitere werden folgen.

Ich bin meinem Verleger Werner Betz vom Ancient Mail Verlag sehr dankbar für die Möglichkeit, mich einmal thematisch nach Herzenslust austoben zu können. Ein Journalist, der die Manuskripte der ersten drei Bände gelesen hat, nannte sie „ein Feuerwerk der Ideen und Themen“. Das trifft’s auf den Punkt genau! „Fantastische Realitäten“ wird mein großes Werk werden, eine Gesamtschau meiner Arbeit. Ich möchte informieren, und das in Wort und Bild, Leserinnen und Leser an meinen Reisen teilhaben lassen, und das auf sehr abwechslungsreiche Art und Weise!

Lieber Walter, vielen Dank für das ausführliche Interview und weiterhin viel Erfolg!

Mehr über den Autor lesen Sie auf seiner Seite: http://www.2012-weltuntergang.com/

Seine Bücher sind hier erhältlich: