Silke Porath ist schwäbisches Original und schriftstellerischer Tausendsassa. In ihrem Universum gibt es vor allem Möpse (ja, die Hunde) und viele Leichen pflastern ihren Weg. Zum Glück nur literarisch. Denn da wird eifrig gemordet und zwar in Serie! Gibt es in der Reihe um Pater Pius mehr Leichen als in der Serie um das Ermittlerduo Schrödinger und Boxer Horst? Das müssen wir sie später fragen …

Sie hat aber auch eine weiche Seite. Denn sie gibt Kurse für Neu-Autoren und ist als „Psycho-Patin“ Leiterin der Selbsthilfegruppe „Die Mutmenschen“, in der sie Menschen mit Panikattacken unterstützt. Silke war viele Jahre lang selbst betroffen und hat zur Verarbeitung Ihrer Geschichte einen Ratgeber („Keine Panik vor der Panik) geschrieben. Zu diesem Thema kann sie auch für Vorträge gebucht werden. Buchbar ist sie auch für Lesungen, bei denen sie ihren persönlichen Mops-Assistenten auf Wunsch mitbringt.

Heute hat sie uns in ihren engen Terminplan reingequetscht und wird uns schwäbisch direkt Rede und Antwort stehen.

Bücherwurm: Liebe Silke, vielen Dank für deine Zeit und das Interview. Du hast so viele Projekte gleichzeitig und so grundverschiedene Themen, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst mit den Fragen beginnen soll. Vielleicht direkt mit der Themenvielfalt. Möpse und Serienkiller haben nicht so viel miteinander zu tun – wie kam es zu den unterschiedlichen Themen deiner überlappenden Buch-Universen? Wie wurdest du dazu inspiriert?

Silke: Zum Mops kam ich durch einen skurrilen Zufall. Mein damaliger Literaturagent rief ich an, um über mein Image zu sprechen – leider kurz vor 12 Uhr am Mittag. Die Bratkartoffeln brannten an, der Postbote klingelte, der Hund bellte und fiel zuckend um. Ich legte auf und rief ihn am Abend wieder an. Ihm war sofort klar: schreib etwas über einen epileptischen Hund. Damals hatte ich allerdings keine Ahnung von Möpsen. In der ersten Version wiegt der arme Hund 18 Kilo … was mir Proteste von Tierschützern eingebracht hat. Mittlerweile bin ich da entspannt. Mein Mops, der seit knapp drei Jahren bei mir wohnt, hat die Idealfigur von acht Kilo.

Die Morde sind ebenfalls durch Zufall entstanden. Ich saß mit meinem besten Freund Andreas Braun auf der Terrasse und wir hatten den besten Blick auf das Spaichinger Kloster am Dreifaltigkeitsberg. Drei oder vier Flaschen Trollinger später war uns klar, dass wir da oben jemanden meucheln müssen. Andreas ist leider verstorben. Aber seine Ideen leben weiter und mit meinem jetzigen Co-Autor Sören Prescher verstehe ich mich schreiberisch blind.

 

Bücherwurm: Wirst du zunächst bei diesen Themen bleiben und solide Krimis und lustige Bücher über sagen wir mal „realitätsnahe“ Themen schreiben oder müssen wir plötzlich mit Zombieromanen und Science-Fiction rechnen? Reizen dich solche Stoffe überhaupt oder würdest du die für dich ausschließen?

Silke: Ich gestehe: ich sehe „The Walking Dead“ in Endlosschleife. Wahrscheinlich bin ich durch glückliche Connections zur Produktionsfirma (fragt nicht!) die erste, die in Germany die neuen Staffeln sehen darf. Aber Zombies in meinen Büchern? Eher nicht. Auch Sci-Fi ist nicht meins. Aktuell beiße ich mir die Zähne an einem Roman aus, der eine Protagonistin hat, die etwa in meinem Alter ist. Also 29 mit 19 Jahren Lebenserfahrung obendrauf.

 

Bücherwurm: Neben dem Schreiben gibst du auch Kurse für Nachwuchs-Schriftsteller. Was kannst du uns darüber erzählen? Also beispielsweise welche Personengruppen du damit hauptsächlich anziehst und was du ihnen vermittelst? Gibt es auch enttäuschte Gesichter, wenn die Teilnehmer nach dem Kurs nicht sofort einen Literaturpreis gewinnen?

Silke: Meine Kurse richten sich an alle, die gerne schreiben. Im letzten saßen eine 16-jährige Schülerin, ein Beamter in Rente und eine vierfache Mama. Schreiben kann jeder, denn es ist ein Handwerk. Das man lernen kann. Wenn man es will … denn wer in meine Kurse kommt, der muss sich konstruktive Textkritik anhören. Das hat absolut nichts mit der Person des Verfassers zu tun. Trotzdem kam es schon vor, dass Teilnehmer wutschnaubend und Türen knallend aufgestanden sind, weil ich etwas am Satzbau zu verbessern hatte.

Andererseits – ich bin wahrscheinlich diejenige, die in solchen Kursen am meisten lernt. Und es macht mich stolz, wenn eine 15-jährige Schülerin einer Gesamtschule, die in einem so genannten „bildungsarmen“ Haushalt aufwächst, mir gerade gestern kurz vor den Sommerferien 250 Seiten ihres Romans gibt. Eine Geschichte anderen zu geben, das bedeutet absolutes Vertrauen. Und hey ich bin sicher, von der jungen Dame werden wir noch viel lesen.

 

Bücherwurm: Ein ganz ernstes Thema sind die Panikattacken. Darüber hast du sogar ein Buch geschrieben, um Betroffenen Mut zu machen. Nun hilfst du diesen Menschen in deiner Selbsthilfegruppe. Du gibst dabei ganz offen zu, dass du selbst betroffen warst. Wie schwer fällt es dir, darüber zu sprechen? Und wie beeinflusst das deine Arbeit als Autorin? Tut es das überhaupt?

Silke: Ich habe meine Geschichte und meinen Weg aufgeschrieben, um mir selbst klar zu werden. Mein Agent sagte: reich das bei einem Verlag ein. Immer noch ist das kleine Buch mein Bestseller.

Als Autorin hat es mich, hoffe ich, authentisch gemacht. Privat sorgte es in meiner damaligen Ehe für eine heftige Krise. Die Familie wandte sich ab. Viele so genannte Freunde wollten nichts mehr mit einer zu tun haben, die offenbar einen an der Klatsche hat.

Ganz ehrlich: ich bin dankbar für meine Erkrankung. Erst sie hat mir geholfen, mein Leben zu sortieren und zu ändern. Ich schäme mich nicht. Ich verstecke mich nicht. Im Gegenteil: es gibt mir ungeheure Kraft, wenn ich anderen Betroffenen ein klein bisschen helfen kann.

 

Der Mops-Assistent von Frau Porath

Bücherwurm: Mit diesen vielen Projekten, deinen Kindern und deinen Hunden hast du alle Hände voll zu tun. Wie sieht so ein ganz gewöhnlicher Tag in deinem schwäbischen Mops-Universum eigentlich aus? Und kannst du uns deinen persönlichen Mops-Assistenten noch vorstellen, der dich bei den Lesungen unterstützt? Hat er dir auch bei diesem Interview geholfen? (Dazu müssen die Leser wissen, dass wir die Fragen schriftlich an dich geschickt haben, vielleicht hat dein Assistent sie für dich beantwortet?)

Silke: Mein persönlicher Mopsassistent liegt schnarchend in seinem Körbchen in meinem Büro. Hunde pennen 20 Stunden am Tag. Ein arrivierter Autoren-Mops macht da keinen Unterschied. Auch nicht im Tagesablauf … der war bislang ganz entspannt, da mein jüngster Sohn bei seinem Vater lebte und dort zur Schule ging. Ab September wird mein Sonnenschein bei mir ins Gymnasium gehen. Vorbei also dolce vita. Vorbei das ewig lange Schreiben und das Ausschlafen. Aber Hallo Mamasein. Alltag. Autorin zu sein ist nichts anderes, als einen Schreibtischjob zu haben. Und parallel dazu arbeite ich ja auch noch als freie Journalistin und Fotografin.

 

Bücherwurm: Leider sind wir schon fast am Ende des Interviews. Daher bleibt nur noch eine letzte spannende Frage, der sich jeder Autor stellen muss: welches Buch hast du gerade in Arbeit und kannst du darüber schon etwas verraten? Wird es mehr Leichen geben oder mehr Möpse?

Silke: Klar bin ich wieder als Serienkillerin unterwegs. Geplant sind bislang zwei Tote. Das kann sich aber alles noch ändern. Man weiß ja nie, wen man um die Ecke bringen will.

Einen Mops wird es aber nicht geben. In meinem Frauenroman wird ein Beagle die Hauptrolle spielen. Der war eigentlich gar nicht geplant, bis meine Agentin sagte: „Frau Porath, aus der Hundenummer kommen Sie nicht mehr raus!“ Wuff. Wau.

Bücherwurm:  Vielen Dank für deine Zeit, liebe Silke, und viel Erfolg bei all deinen Projekten!

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