Remo Kelm ist ambitionierter Autor und Texter und hat eine abwechslungsreiche Karriere hinter sich. Der gelernte Tischler mit dem Faible für Autos und Kampfsport hat nur kurz im erlernten Beruf gearbeitet, bevor er für verschiedene Transportunternehmen tätig war. Seit seinem ersten Buch über MMA hat sich vieles verändert. Er leitet eine erfolgreiche Texteragentur, begleitet Autoren beim Selfpublishing, leitet mehrere Blogs sowie eine Vermittlung für Mechaniker und Gutachter, die Kunden beim Autokauf unterstützen. Heute stellt sich der Geschäftsmann dem Blog-Interview und gibt uns Auskünfte über seine bewegte Karriere und seine Zukunftspläne.

Bücherwurm: Remo, heute stellst du dich den berühmten 6 Fragen. Lass uns ganz am Anfang beginnen – vom Tischler über diverse Zwischenstationen bis hin zum erfolgreichen Internetdienstleister. Wie kommt es zu dem abwechslungsreichen beruflichen Werdegang?

Remo: Puh, da gab es allerhand Schritte dazwischen, die, wenn ich alles vollumfänglich erzählen würde, hier locker den Rahmen sprengen. Lass es mich also aufs Wesentliche begrenzen (ich will es zumindest versuchen).

Aus diesem Grund würde ich gerne die zweite Frage gleich zusammen mit der ersten beantworten. Denn das hängt alles zusammen. Eure zweite Frage lautet: „Dein erstes Buch war ein E-Book über MMA, das beim renommierten Ancient Mail Verlag erschienen ist, wo noch weitere Bücher von dir veröffentlicht wurden. Was war der Auslöser dafür, dass du mit dem Schreiben begonnen hast? Hattest du schon immer den Wunsch, Autor und Texter zu werden?“

 

Bücherwurm: Ok, das ist ungewöhnlich, aber warum nicht. Dann leg mal los! 

Remo: Ok. Also: Ich habe mal Bau- und Möbeltischler gelernt, wusste aber von Anfang an, dass ich damit nicht alt werden wollte. Ich hatte schon immer diese besondere Affinität zu Sprache im Allgemeinen. Selbst als Kind bin ich in der Schule immer „vorgeführt“ worden. Auf festlichen Veranstaltungen in der Grundschule, wenn auch die Eltern anwesend waren, musste immer die beste „Sängerin“ der Schule ein Liedchen für die Anwesenden trällern, ein anderes Mädchen aus meiner Klasse war im Bodenturnen außerordentlich begabt und musste daher natürlich immer auf diesen Events ihr Können demonstrieren und ich war eben immer derjenige, der eine Geschichte vorlesen musste, weil ich am besten lesen konnte.

Rechtschreibung und Grammatik fielen mir immer leicht. Tja, und dieses „Talent“ lag dann Jahrzehntelang brach, während ich brav ganz normalen 9-to-5-Jobs nachgegangen bin. Ich würde sagen, den Grundstein für meinen heutigen Erfolg habe ich im Wesentlichen zwei Menschen zu verdanken. Der erste war Donald Hanke, mein Chef für einige Zeit. Er war schon damals (vor etwa 20 Jahren) Millionär und war dennoch immer der Erste im Büro und der Letzte, der ging. Dieser Mann hat mich maßgeblich geprägt. Vielleicht nicht in die Richtung, in die er es gerne gehabt hätte. (Er war in einer anderen Branche). Aber er hat mir, ohne es selbst zu wissen, etwas mitgegeben, was wesentlich wichtiger war, als das fachliche Wissen seiner Branche.

Er hat mir zum ersten Mal gezeigt, dass es möglich ist, diese „Angestellter bis zur Rente“-Attitüde hinter sich zu lassen und dass Selbstständigkeit für Jedermann möglich ist. Das hatte ich bis dato nie auch nur in Erwägung gezogen. Ich war, wie so viele andere auch, so gefangen in diesem Trott und in dieser Denke, ein Leben lang einen Job machen zu müssen, der mir keinen Spaß macht, um meine Rechnungen zu bezahlen, dass Selbstständigkeit für mich so weit weg war, wie die Erde vom Mars. Ja und das war, als hätte mir jemand Scheuklappen abgenommen, einen Schleier vor den Augen weggezogen, der mich immer in meinen Möglichkeiten begrenzt hatte. Ich habe niemals zuvor und auch niemals mehr danach jemanden getroffen, der eine so motivierende und inspirierende Aura ausgestrahlt hat. Ein sehr charismatischer Mensch. Ich habe ihn für seinen unglaublichen Ehrgeiz immer bewundert. Also Donald; für den Fall, dass du das hier liest; vielen Dank für alles. Das meine ich vollkommen ernst.

Naja, nun wusste ich also, dass es möglich war, aus diesem Angestellten-Kreislauf auszubrechen. Bis ich dann aber endlich etwas gefunden hatte, was mir Spaß machte UND in dem ich gut war, sollten noch einmal etwa 12-14 Jahre vergehen. Und damit komme ich zur zweiten Person, der ich den beruflichen Erfolg zu verdanken habe. Daniela Mattes, selbst langjährige Autorin, und mittlerweile sehr gute Freundin. Alles begann mit einem harmlosen Kommentar bei Facebook unter einem Beitrag eines gemeinsamen Freundes. Dazu muss ich sagen, Dieser Freund und ich haben uns immer einen Spaß draus gemacht, Beiträge des anderen möglichst zynisch und sarkastisch zu kommentieren. Nunja, also war auch dieser Kommentar natürlich gespickt mit Zynik und Sarkasmus. (Wer eines meiner ersten Bücher „Sekten und Kulte“ gelesen hat, kann sich vielleicht vorstellen, was ich meine. Da nehme ich ja einige Sekten bewusst zynisch aufs Korn, um die Idiotie der Weltanschauungen zu verdeutlichen.) Jedenfalls hat Daniela diesen Kommentar gelesen und mich sofort angeschrieben, um mir zu sagen, dass ich offenbar Talent zum Schreiben hätte.

Das hab ich zunächst nicht ernstgenommen, aber sie ging mir seitdem unaufhörlich mit ihrer fixen Idee „auf den Zeiger“ (sorry Dani), ich müsse doch mal ein Buch schreiben und solle mein Talent doch nicht in einem regulären Job verschwenden. Das wäre ja ein Frevel usw. Naja, irgendwann habe ich mich dann doch breitschlagen lassen und mein erstes Buch geschrieben, nachdem sie mich mit Werner Betz und seinem Ancient Mail Verlag bekannt gemacht hatte. Und es folgte noch ein Buch und noch eins und noch ein paar andere in Eigenregie. Zum Teil unter meinem richtigen Namen, teilweise unter Pseudonymen. Und zwei sogar mit Dani gemeinsam (über Alexander Bean und über mystische Fälle).

Nebenbei habe ich dann die ersten Texteraufträge bekommen. Zunächst als Ghostwriter, dann als Texter für Websites. Da waren dann irgendwann richtig illustre Kunden dabei. Beispielsweise die Sport-und Computerableger einer der, wenn nicht DER größten deutschen Tageszeitung. Das sprach sich schnell rum und sogar Verlage, Agenturen und dergleichen kamen auf mich zu, um ihre Blogseiten von mir betexten lassen. Irgendwann konnte ich das allein gar nicht mehr stemmen, weshalb ich mir einen anderen Texter mit ins Boot geholt hab, um die Aufträge zu bewältigen. Irgendwann wurde noch einer nötig und noch einer und mittlerweile habe ich etwa 20 Texter, die für mich tätig sind. Daher musste ich irgendwann eine Agentur gründen. Ja und da bin ich.

Eine „witzige“ Randnotiz ist noch, dass ich, der schon als Kind diese Affinität zum Schreiben, zu Formulierungen, zu Sprache im Allgemeinen hatte, erst nach etlichen Umwegen jetzt, Jahrzehnte später damit meinen Lebensunterhalt verdiene und das Mädchen aus meiner Klasse damals, welches ich eingangs erwähnt hatte, die immer auf öffentlichen Veranstaltungen singen musste, ebenfalls nach Jahrzehnten in einem anderen Job mittlerweile als professionelle Sängerin ihr Geld verdient. Inzwischen sogar mit einem gewissen Bekanntheitsgrad. Gruß an Katharina an dieser Stelle. Irgendwie „witzig“.

Was ich sagen will ist, obwohl ich schon immer diese Affinität hatte, hat es dennoch eine Verkettung mehrerer „Zufälle“ bedurft, um mich selbst in diese Richtung zu schubsen, um mich selbst erkennen zu lassen, was eigentlich schon lange offensichtlich war. Und so bin ich dazu irgendwie wie die Jungfrau zum Kind gekommen, aber eben irgendwie auch nicht.

 

Bücherwurm: Deine Themen sind breit gefächert. Kampfsport, Sekten, Mysteriöse Fälle. Warum hast du dich nicht auf nur einen Themenschwerpunkt konzentriert und welche anderen Themen beschäftigen dich sonst noch?

Remo: Ich bin einfach zu vielseitig interessiert, um mich auf ein Thema festzulegen. MMA ist nach wie vor meine Leidenschaft und wird es vermutlich auch immer bleiben. Mein absolutes Steckenpferd sozusagen. Aber auch mysteriöse Mordfälle, Sekten, Übernatürliches, Psychologie … haben mich immer interessiert.

Ich habe mich immer wieder gefragt, was beispielsweise Serienmördern eigentlich so im Kopf rumgeht. Was ihre Beweggründe sind, ob sie Reue spüren. Was hat dazu geführt, dass sie zu Mördern geworden sind? Warum brauchen sie diesen „Kick“? Gibt es irgendwelche signifikanten Parallelen zu anderen Mördern? Ich mein, wo ist das Muster? Wo haben sie irgendwann mal die falsche Abzweigung genommen? Wo ist der „Schaltfehler“ im Kopf? Könnten gewisse Umstände in der Kindheit jeden zum Mörder machen? Sowas beispielsweise fasziniert mich. Wie eben der vergleichsweise unbekannte Fall der sogenannten „Dnjepropetrovsk Maniacs“. Aber auch unerklärliche Fälle, wie der Fall der Eriksson-Schwestern, der Tod von Elisa Lam, der Aokigahara-Wald. Auch alles rund um die Warrens. Auch solche Sachen fesseln mich.

 

Bücherwurm: Du bist Verlagsautor und hast dennoch nebenbei Bücher im Selfpublishing-Verfahren veröffentlicht. Zudem hilfst du auch anderen Autoren mit deinem Selfpublishing-Unternehmen, indem du ihre Bücher formatierst und lektorierst und auf die Veröffentlichungsplattformen hochlädst. Dadurch verhilfst du vielen unsicheren Anfängern zu einem guten Start. Warum macht ein Autor Selfpublishing und wieso unterstützt du andere dabei?

Remo: Nun ja, ich hatte ja ein paar Bücher bei einem Verlag veröffentlicht und hätte das auch weiterhin tun können. Der Grund, weshalb ich zum Self-Publishing gewechselt bin, war in erster Linie einfach der schnöde Mammon. Die Margen sind dort schon verlockend hoch. Ein weiterer Aspekt ist natürlich die volle künstlerische Freiheit. Da ist eben niemand, der dir reinredet. Weder beim Cover noch sonstwo. Beides hat Vor- und Nachteile. Für mich allerdings überwiegen unterm Strich eben doch die Vorteile.

Nur die wenigsten Autoren schaffen es zu einem Verlagsvertrag. Viele schicken ihre Manuskripte an etliche Verlage und ernten nur Absagen. Das sagt allerdings nicht zwingend etwas über die Qualität des Buches aus. Es gibt durchaus eine ganze Menge Autoren, die wirklich gut schreiben. Also eine interessante Geschichte erzählen UND sicher in Rechtschreibung und Grammatik sind. Zudem ein gutes Gefühl für Formulierungen haben. Denen können wir durch unser Knowhow auf jeden Fall helfen, ihr Werk zu veröffentlichen. Viele, die ihre Bücher bei keinem Verlag unterbekommen, scheuen das Self-Publishing oftmals auch deswegen, weil sie womöglich wenig „technik-affin“ sind, mit den Veröffentlichungsplattformen ganz einfach technisch nicht klarkommen. Da können wir helfen.

 

Bücherwurm: Die Palette deiner Aktivitäten ist sehr umfangreich. Werden durch kreative Ideen oder geschäftliche Überlegungen noch weitere Bereiche wie etwa ein Verlag dazukommen oder wie ist der langfristige Plan?

Remo: Durch meine Content-Agentur, mit der wir immer mehr Blogseiten unterschiedlichster Kunden betreuen, die viele gute und kontinuierliche Inhalte brauchen, um damit Geld zu verdienen, bleibt mir kaum noch Zeit für andere Projekte. Ich hab immer mal wieder Ideen, die ich derzeit aber aus Zeitmangel kaum umsetzen kann, auch außerhalb der Texterei, denen ich mich mal widmen müsste, um die voranzutreiben. Ein Verlag allerdings steht derzeit nicht auf meiner Agenda. Aber wer weiß? Never say never.

 

Bücherwurm: Bei den vielen Aufgaben, die du dir aufgehalst hast, hast du vermutlich kaum noch Zeit, selbst Bücher zu schreiben. Oder dürfen wir in nächster Zeit ein neues Buch von dir erwarten? Wovon wird es handeln?

Remo: Was das Bücherschreiben anbetrifft, bin ich mit einem Buch über den Serienkiller Jeffrey Dahmer zwar zu 90 % fertig. Aber das auch schon seit fast 2 Jahren. Ich komme einfach nicht dazu, das fertigzustellen. Dabei war das ein unglaublicher Rechercheaufwand. Ich habe sogar 300-400 Seiten englische FBI-Akten zu diesem Fall gewälzt (der Freedom of Information Act machts möglich). Das ist schon ärgerlich, dass ich das nicht fertiggestellt bekomme.

 

Bücherwurm: Dann hoffen wir, dass daraus noch etwas wird, denn das hört sich sehr spannend an! Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit all deinen Projekten!

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