Der Burgdorfer Autor Peter Hoeft ist schon seit vielen Jahren im Geschäft und deckt mit seinen Erfolgsbüchern eine breite Themenvielfalt ab. Zusammen mit seiner Co-Autorin Iris Klockmann hat er unter dem Pseudonym Gerit Bertram mehrere erfolgreiche historische Romane veröffentlicht. Zuletzt erschien 2018 „Die Flöte von Rungholt“.

Doch parallel dazu schreibt er Beiträge und Kurzgeschichten für mehrere bekannte Zeitschriften und Online-Magazine. Daneben interessiert er sich aber auch für paranormale oder fantastische Themen und hat neben einem Band mit Kurzgeschichten („Manchmal können sie uns sehen“) auch ein Buch zum Thema Prä-Astronautik („Wozu braucht Gott ein Raumschiff“) veröffentlicht. Diesen vielschichtigen Autoren begrüßen wir heute im Interview.

 

Bücherwurm: Lieber Peter, vielen Dank für deine Zeit. Von dir gibt es leider keine Homepage, auf der man über dich recherchieren könnte. Kannst du deinen Fans daher ein wenig aus deiner Biografie erzählen? Wann hast du dein Talent zum Schreiben entdeckt und gab es einen bestimmten Auslöser für dich, mit dem ersten Buch zu beginnen? Was war das?

Peter: Stimmt, zurzeit gibt es keine Autorenhomepage von mir, was sich jedoch bald ändern wird. Zu meiner Person: Ich lebe mit meiner Frau in der Region Hannover, bin 62 Jahre alt und habe früher in der stationären Altenpflege gearbeitet. Das Schreiben war schon als Jugendlicher meine große Leidenschaft und ich war sehr stolz, als die BRAVO damals einen Beitrag von mir abdruckte.

Damals schrieb ich mit meinem besten Freund Abenteuergeschichten in Schulhefte. Etwa zehn Jahre später – inzwischen war ich junger Familienvater – sandte ich ein Manuskript an einen Jugendbuchverlag in Süddeutschland, es wurde angenommen und nun ging es Schlag auf Schlag.

Mittlerweile gibt es gut dreißig Buchveröffentlichungen aus meiner Feder, bzw. Tastatur. Die meisten sind Romane, Biografien und Erzählungen, bei einigen handelt es sich um Sachbücher. Du hast mein Buch „Wozu braucht Gott ein Raumschiff erwähnt?“ Es erschien 2017 im Ancient Mail Verlag und ist mein persönlichstes Buch. Ich schildere darin meinen Weg vom christlichen Fundamentalismus zum Anhänger der Prä-Astronautik.

Bücherwurm: Du schreibst mit Vorliebe historische Romane, interessierst dich aber auch für andere Phänomene, die natürlich am Rande auch mit der Geschichte zu tun haben. Immerhin geht es bei den prä-astronautischen Themen ja auch um die menschliche Frühgeschichte, in der anscheinend Astronauten (oder Aliens oder Götter) in unsere Entwicklung eingegriffen haben.

Warum fasziniert dich dieses Thema so sehr? Wie bist du dazu gekommen und welche Schlüsse hast du aus der Beschäftigung damit gezogen?

 

Peter: Das Thema „Ufos und Außerirdische“ bewegte mich schon als Jugendlicher. Als ich mich mit etwa 20 Jahren dem christlichen Glauben zuwandte, nahm ich den Außerirdischen, Ufos usw. gegenüber eine negative Haltung ein, wie es allgemein in diesen Kreisen der Fall ist, wo es heißt: Das ist alles dämonisch und deshalb Hände weg davon!

Ich schrieb damals ein Büchlein mit dem Titel „Geister, UFOs, Kornkreise – Übernatürliche Phänomene und ihre Bedeutung“. Es erschien in einem evangelikalen Verlag und verkaufte sich überraschend gut. Nach einer kurzen Einleitung und ein paar Begriffserklärungen ging ich auf die Rolle von Alf, Mr. Spock, E. T. und Superman in Fernsehen und Kino ein und zog den Schluss, dass durch die Medienpräsenz dieser Figuren das menschliche Bewusstsein darauf vorbereitet werden sollte, zu akzeptieren, dass es tatsächlich außerirdisches Leben gibt und es irgendwann zu einem Kontakt kommen wird. Dahinter aber stecke der Verführer und Widersacher Gottes, schrieb ich damals.

Heute kann ich über diese Schlussfolgerung nur den Kopf schütteln. In weiteren Kapiteln ging ich kurz auf das Phänomen der Kornkreise in Südengland, den USA und Deutschland ein und erklärte meinen evangelikalen Lesern schließlich, dass es kein Leben auf anderen Planeten geben konnte, sondern alles von Satan, dem „Engel des Lichts“ inszeniert sei. In meinem Endzeit-Roman „Als Engel des Lichts“, der vier Jahre später erschien, legte ich dann nochmals nach und stellte die Besucher aus dem All als Dämonen dar, die bereits seit Jahrtausenden die Erde beobachteten und schließlich den Kontakt suchten, um die von Gott abgefallene Menschheit zu verführen, kurz bevor das Ende der Welt kam. Genau so denken fundamentalistische Christen im Allgemeinen.

Nachdem ich vor etwa acht Jahren vom Christentum Abstand genommen hatte, unter anderem, weil ich in der Bibel etliches fand, was mich abstieß und zu anderen Schlussfolgerungen brachte, nahm ich gleichzeitig eine neue Haltung gegenüber Ufos und Außerirdischen ein. Grade auch, weil ich in der Bibel etliche Passagen entdeckte, die auf „unheimliche Begegnungen der Dritten Art“, wie Ufologen es nennen, hindeuten.

Will sagen: einige der alttestamentlichen Propheten und Führer Israels wie Mose, Hesekiel, Henoch und Elia hatten möglicherweise ganz reale Kontakte zu Außerirdischen, die sie allerdings für Engel oder Gott selber hielten. Obwohl der christliche Gott ja – wie es auch im Neuen Testament heißt – Geist ist und eben keinen materiellen Körper besitzt. Die in der „Heiligen Schrift“ beschriebenen Gottesbilder sind äußerst unterschiedlich und passen nicht zueinander. Der Gott des Alten Testamentes hat alle möglichen menschlichen Charakterzüge, er hasst, er zürnt, er ist eifersüchtig, er bereut, was er getan hat und ist rachsüchtig, fordert sein Volk auf, andere Völker zu vernichten usw. Alles das passt nicht zu dem christlichen Gott der Liebe, von dem die neutestamentlichen Evangelien und Briefe des Neuen Testamentes mehrheitlich sprechen. Das scheint jedoch der großen Masse von Fundamentalisten nicht aufzufallen oder aber, sie überlesen diese Bibelstellen bewusst, um nicht an ihrem Glauben zu zweifeln und von diesem abzufallen.

 

Bücherwurm: Möchtest du kurz den Lesern erklären, was man sich unter fundamentalistischem Christentum vorstellen darf? Wie bist du dazu gekommen und wie hast du dich davon wieder gelöst? Vor allem: Wie hat dich dieser gedankliche Hintergrund geprägt? Hatte das einen Einfluss auf deine Bücher oder hat es das sogar immer noch? Inwiefern?

Peter: Zum christlichen Fundamentalismus kam ich über eine christliche Sekte, die „Kinder Gottes“, die ich 1977 wieder verließ, weil ich erkannte, dass die damals etwa weltweit 7000 Mitglieder und ihr Enthusiasmus ausgebeutet und missbraucht wurden. Danach suchte ich nach Menschen, die Christen waren, ohne irgendwelche obskuren Sonderlehren und Praktiken, wie ich es zuvor bei den „Children of God“ kennen gelernt hatte.

Im selben Jahr schloss ich mich einer sozial engagierten Gemeinde an, die sich im Rotlichtmilieu von Hannover um Alkoholiker, Drogenabhängige und Obdachlose kümmerten. Sie waren allerdings Fundamentalisten. Was diese Gläubigen von „normalen“ Kirchenzugehörigen unterscheidet: Christliche Fundamentalisten glauben unter anderem an die Verbalinspiration der Bibel – also daran, dass die Originalmanuskripte der Bibel den damaligen Schreibern wortwörtlich vom Geist Gottes diktiert wurden und die Heilige Schrift somit irrtumslos ist. Außerdem halten Fundamentalisten als Anhänger des Kreationismus daran fest, dass Gott die Erde in sechs Tagen geschaffen hat, so wie es im ersten Buch Mose steht. Am siebenten Tag ruhte er sich davon aus, heißt es dort, weshalb auch manche freikirchliche Christen jede Arbeit am Sonntag ablehnen.

Fundamentalisten in den USA sind zwar mit Hinweis auf das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“ Abtreibungsgegner, befürworten aber zugleich mehrheitlich die Todesstrafe. Diese Tatsache scheint für die Religiöse Rechte, wie der amerikanische Fundamentalismus oft auch genannt wird, kein Widerspruch zu sein. Die meisten Fundamentalisten – auch in Deutschland – geben den sogenannten „Zehnten“. Das bedeutet nach Maleachi 3, 10 zehn Prozent seines Einkommens zu spenden, im Normalfall an seine eigene Gemeinde, die davon ihre laufenden Ausgaben und das Gehalt des Pfarrers bestreitet.

In den meisten fundamentalistischen Gemeinden und sogenannten Glaubenswerken wird seit Jahren ein regelrechter Israelkult betrieben. Als Gläubiger ist man – so, als sei das ganz selbstverständlich – für den jüdischen Staat und heißt buchstäblich alles gut, was dort geschieht. Für diese Loyalität Israel gegenüber wird man dann auch besonders von Gott gesegnet. So wird es den Gläubigen jedenfalls versprochen. Kritische Töne der israelischen Politik gegenüber sind deshalb in solchen Gemeinden höchst selten. Schließlich heißt es ja in der hebräischen Bibel, unserem Alten Testament: „Wünschet Jerusalem Glück“ (Psalm 122, 6) und „Tröstet, tröstet mein Volk!“ (Jesaja 40, 1), als schließe das automatisch jede Kritik dem jüdischen Staat gegenüber aus.

Zu deiner Frage, ob mich diese Zeit geprägt hat. Es hat eine Zeitlang gedauert, bis ich mich von dem Denken, das ich fast 30 Jahre lang aktiv – unter anderem in mehreren christlichen, missionarischen Büchern und in der Arbeit mit Jugendlichen – vertreten habe, lösen konnte. Doch obwohl ich mich von den christlichen Dogmen getrennt habe, bin ich kein Atheist geworden, erlaube mir allerdings – anders als während der Zeit bei den Children of God und in verschiedenen Freikirchen – selber zu denken und darum so manches infrage zu stellen, was viele Christen kritiklos von irgendwelchen Bibellehrern und modernen „Propheten“ annehmen.

 

Bücherwurm: Ist es für dich wichtig, deine Themen breit gefächert zu halten und sowohl Romane als auch Kurzgeschichten und Fachartikel weiterhin parallel zueinander zu schreiben? Oder hast du Pläne, ein Gebiet weiter auszubauen oder neue Themen hinzuzunehmen? Also vielleicht nur noch für Zeitungen zu schreiben oder dich auf Kurzgeschichten zu konzentrieren? Oder würdest du gerne ein Buch über ein neues Thema oder in einem neuen Genre schreiben? Welche Themen oder Genre würden dich reizen?

Peter: Zurzeit habe ich tatsächlich am meisten Spaß am Schreiben von Kurzgeschichten und schrecke eher vor einem dicken „Wälzer“, wie den historischen Romanen, die meist mehr als 500 Seiten haben, zurück. Thema Kurzgeschichten: eine davon aus dem Subgenre Zeitreisestories fand ein Berliner Lehrer im letzten Jahr so gut, dass er sie mit seiner Theater-AG im kommenden Frühjahr auf die Bühne bringen will. Darüber habe ich mich sehr gefreut und werde auf alle Fälle bei der Premiere dabei sein.

 

Bücherwurm: Gegenüber den Büchern, die dich vielleicht reizen, die die du aber aktuell nicht umsetzen kannst oder möchtest, stehen sicher auch neue Projekte, mit denen du schon begonnen hast. Denn ein Autor hat ja immer eine neue Idee, die ihn beschäftigt. Womit müssen wir bei dir als nächstes rechnen?

Peter: Dazu kann ich noch nichts sagen, weil ich mir eine längere Schreibpause genommen habe. Die sicher irgendwann auch wieder zuende ist.

 

Bücherwurm: Peter, du bist ja schon sehr lange und sehr erfolgreich im Geschäft und hast das große Glück, auch mit einer Literaturagentin zusammenarbeiten zu dürfen. Das sind gute Voraussetzungen, die viele Jungautoren noch nicht erreicht haben. Hast du für den Nachwuchs einen guten Tipp, den ein Neuling auf dem Gebiet beherzigen sollte, um schriftstellerisch voranzukommen?

Peter: Schreiben und viel lesen. Und zwar Bücher von Autoren des Genres, in dem die Jungautoren am liebsten unterwegs sind. Nicht, um da abzuschreiben oder Ideen zu übernehmen, die andere bereits hatten, sondern um ein Gefühl für dieses Genre zu bekommen und für die Sprache, in denen die verschiedenen Genres erzählt werden. Ein Krimi muss anders geschrieben werden als ein Thriller, um nur mal ein Beispiel zu nennen.

Es gibt auch Schreibratgeber, die dem einen oder anderen helfen können. Ideal ist es auch, wenn man TestleserInnen hat, denen man seine Geschichte oder den Sachbuchtext anvertraut, um eine erste Meinung zu bekommen. Das können Freunde sein (obwohl die manchmal dazu neigen, alles ganz toll zu finden und sich nicht trauen, auch mal zu kritisieren) oder andere Autoren, zu denen man Kontakt hat.

Du hast die Literaturagentin erwähnt. Tatsächlich ist es so, dass man ohne eine Agentur kaum noch Chancen hat, von einem der großen Verlage angenommen zu werden. Literaturagenten kennen sich besser aus als jeder Autor, wissen, welche Verlage grade welche Stoffe suchen und kümmern sich gegen ein vertraglich vereinbartes Honorar (15 bis 20% von allem, was der Autor mit seinen Büchern verdient) um den ganze geschäftlichen „Kram“, sodass der Autor den Kopf frei hat zum Schreiben.

 

Bücherwurm: Lieber Peter, vielen Dank für deine Zeit und das Interview und viel Erfolg bei deinen nächsten Projekten!

Peter: Ich bedanke mich für die Gelegenheit, mich und meine Arbeit ein wenig vorstellen zu dürfen!

 

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