BUCHTIPP und INTERVIEW

„Das Cheops-Projekt“ – von Dominique Görlitz und Stefan Erdmann
Das Eisen der Pharaonen und eine neue Hebetechnologie lösen das Rätsel um den Bau der Großen Pyramide

Kopp Verlag (Juli 2015)
318 Seiten
22,95 €
ISBN-13: 978-3864452307

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Rückentext:

Dunkle Flecken auf  der weißen Weste der Ägyptologie
Wie 18 schwarz glänzende Anhaftungen in der Königskammer die gängige Lehrmeinung zum Bau der Cheops-Pyramide zerschmettern

Die von Dr. Dominique Görlitz und Stefan Erdmann im April 2013 im Rahmen ihres Cheops-Projekts vorgenommenen Untersuchungen in der Großen Pyramide von Gizeh haben zu einer bedeutenden Entdeckung geführt: Die untersuchten Proben regelmäßiger dunkler Anhaftungen an der Decke der Königskammer belegen, dass es sich bei ihnen um Spuren magnetithaltigen Eisens handelt. Diese dünne, schwarze Patina auf den gewaltigen Steinblöcken der Deckenkonstruktion legt nahe, dass wir es bei ihr mit Arbeitsspuren alter technischer Gerätschaften zu tun haben, die bei der Errichtung der Großen Pyramide Verwendung fanden.

Zum Buch:

Wer sich für Ägypten und die Erforschung der Pyramiden interessiert, der hat sicherlich auch den Skandal verfolgt, der mit der Untersuchung der Cheops-Pyramide durch die beiden Experten einhergegangen ist.

Dominique Görlitz ist Experimentalarchäologe, Biogeograf und Kartografiehistoriker und seine Qualifikationen sind ihm bei seinen Forschungen natürlich eine große Hilfe, da er die Problemstellungen aus verschiedenen Blickwinkeln angehen kann. Bei seinen ersten Forschungsreisen nach Ägypten im Jahr 1993 konnte er bereits prähistorische Segeltechniken wiederentdecken, die er in seiner ABORA-Expedition 1999 erforscht hat, als er mit einem entsprechenden Bootsnachbau experimentierte. Doch auch die Stufenpyramiden von Teneriffa, Sardinien und Sizilien konnten sein Interesse wecken. Immer im Hinblick auf die Fragestellung, wie sich die alten Kulturen entwickelt und ausgebreitet haben. Als Biologe konnte er neben dem damaligen Schwerpunkt der vorzeitlichen Hochseeschifffahrt auch die prähistorische Kulturpflanzenausbreitung untersuchen.

Doch als er schließlich 2012 vom Pyramidenforscher Stefan Erdmann wegen einer neuen Entdeckung in der Königskammer der Cheopspyramide angesprochen wurde, wendete er sich einem neuen Interessengebiet zu: der Pyramidenforschung. Ziel war die Erforschung des Pyramidenbaus und die Suche nach interkontinentalem Kulturaustausch in ferner Vergangenheit. Doch die Untersuchung brachte Dinge ins Rollen, mit denen niemand gerechnet hätte …

Trotz vorliegender Genehmigungen, bezahlter Gebühren und begleiteter Forschung in der Pyramide, wo er und Stefan Erdmann wenige Milligramm einer „festsitzenden dunklen Substanz“ von den riesigen Dachbalken der Königskammer entnahmen, wurden sie vom damaligen Direktor der ägyptischen Antikenverwaltung, Dr. Zahi Hawass, eines Verbrechens beschuldigt. Sie wurden als „Vandalen“, Grabräuber“ und „Pyramidenschänder“ bezeichnet und wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Obwohl sie die Anschuldigen eindeutig widerlegen konnten, haftete ihnen diese Geschichte noch lange an – und leider rückte dadurch der eigentliche Forschungszweck samt den interessanten Ergebnissen völlig in den Hintergrund.

Haben die Ägypter die riesigen Steinbrocken für den Bau der Pyramiden mithilfe von Eisentransportklammern und speziellen Hebetechniken bewegt? Die Antworten und der spannende Weg zu den Ergebnissen werden im Buch anschaulich erläutert und mit Bildmaterial belegt.

Freundlicherweise hat mir Dominique nach der Lektüre des Buches extra für den Bericht im Bücherblog noch einige Fragen dazu beantwortet:

BW: Sind noch weitere Probleme für dich zu erwarten bezüglich der fälschlichen Anschuldigungen?

Dominique Görlitz: Ein sehr großes Problem nach dem Cheops-Skandal ist der Imageverlust für mich als Wissenschaftler. Die zahllosen und diffamierenden Anschuldigungen haben ja nicht nur zur Beendigung der Kooperation zwischen dem Fresenius Institut und uns geführt. Zahlreiche langjährige Partner nehmen mir dieses Forschungsprojekt richtig übel und setzen immer noch die Kooperation aus!
Nun hat sich ein hochrangiger Richter aus Thüringen bei mir gemeldet, der mir vorträgt, dass diese gegen uns vorgetragenen Anschuldigungen nach deutschem Recht nicht haltbar waren. Dieser Richter geht sogar so weit, die Staatsanwaltschaft in Chemnitz wegen Rechtsbeugung zu belangen. Da fragt man sich schon, was sollte dann der ganze Wahnsinn hier in Deutschland?
Zumindest gibt es nach fast 3 Jahren wieder Bewegung in Ägypten, dass dort in Bälde ein Berufungsverfahren ansteht, was hoffentlich unsere ägyptischen Begleiter auf Dauer aus dem Gefängnis in die Freiheit entlassen wird. Wie es ausgehen wird?
… keine Ahnung!

BW: Kannst und willst du an den Pyramiden weiterforschen (was evtl. schwieriger werden wird)?

Dominique Görlitz: Natürlich werden wir weiterforschen. Stefan konzentriert sich mehr auf die Authentizität der Cheops-Kartusche, während ich in Kooperation mit der Bergakademie Freiberg noch tiefer in die Natur der eisenhaltigen Magnetitschicht eintauchen werde.
Parallel dazu werde ich mich noch mit weiteren Überlieferungen Herodots auseinandersetzen. Denn, nicht nur dass Herodot von Eisen beim Bau der Pyramide spricht, er gibt auch Hinweise über die mögliche Herkunft dieses Edelmetalls. Ein echtes Problem ist nämlich, dass wir immer noch keine Verhüttungsreste auf ägyptischem Boden vorweisen können.
Hierfür verhandele ich gerade mit der Geographischen Gesellschaft Russland über eine Forschungsexpedition, um uns auf die Suche nach den verschwun­denen Plätzen der Eisenverhüttung im 3. Jts. v.Chr. zu begeben. Fazit: Es bleibt spannend!

BW: Welche neuen, spannenden Projekte stehen in nächster Zeit an?

Dominique Görlitz: Neben diesen Forschungsreisen arbeite ich natürlich auch an weiteren ABORA Schilfbootexpeditionen, die im Grunde genommen auch mit ägyptischer Kulturgeschichte zu tun haben. Ich erinnere nur an meine Dissertation, in der es über den Nachweis von altamerikanischen Kulturpflanzen in ägyptischen Mumien ging. Außerdem arbeite ich gerade an einer großen Sonderausstellung, die ab April nächsten Jahres im sauerländischen Galileo-Park in Lennestadt den Stand der Forschung über die Groß-Pyramiden von Giza und der 4. Dynastie zusammenträgt. Und gerade in Vollzug ist die Präsentation unseres neuen Dokumentarfilms „Das Cheops-Projekt – Das Eisen der Pharaonen“. Diese Doku wird neue Maßstäbe über den Pyramidenbau setzen. Mit aufwendigen Animationen, Aufnahmen aus dem Inneren der Pyramide, aber auch mit vielen Experten führen vor Augen, dass die gegenwärtigen Konzepte zum Bau der Pyramiden nicht einmal in der Theorie standhalten – geschweige denn in der Praxis.
Als Wissenschaftler wird man nie arbeitslos, denn die Beantwortung einer Frage eröffnet sofort weitere neue Schlussfolgerungen, die ebenfalls beantwortet werden müssen!

görlitz

www.buecherwurm.de bedankt sich bei Dominique Görlitz für das spannende Interview und die aufschlussreichen Informationen.