Die Welt der Bücher

Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die gewaltigste. (Heinrich Heine)

Monat: August 2015

Buchtipp Oxana Kalemi

BUCHTIPP

„Sie haben mich verkauft: Eine wahre Geschichte“ – Oxana Kalemi

Die junge Oxana lebt in der Ukraine unter schlechten Bedingungen. Die Eltern trennen sich, die Mutter säuft, der Vater interessiert sich nicht für sie. Als sie mit 15 und schwanger vor ihm steht, hilft er ihr jedoch zum Glück weiter. Sie heiratet jung, doch der Mann, kaum älter als sie, hat keinen Job, ist kaum zu Hause und schlägt sie.

Es ist erschreckend, wenn man diese – wohlgemerkt realen – Umstände sieht, die die arme Frau zu erleiden hatte. Sie gibt ihren Sohn in ein Waisenhaus, um als Kellnerin zu arbeiten und Geld zu verdienen, während sie vom eifersüchtigen Mann auch schwanger verprügelt wird. Niemand kann ihr helfen. Unterkunft und Essen sind teuer, die Verwandtschaft hat selbst nichts. Ein weiteres Kind kommt behindert zur Welt, ein drittes folgt …

Als ihr Mann im Gefängnis landet, gibt sie die Kinder zu einer Verwandten und hört auf den Rat einer Freundin, die angeblich in der Türkei viel Geld in einer Bar verdient hat. Oxana setzt alles auf eine Karte und reist ebenfalls dorthin, um genügend Geld für sich und die Kinder zu verdienen. Im Hinterkopf hat sie stets die Drohung ihres Mannes – wenn er entlassen wird, wird er sie suchen und töten.

Doch die Freundin hat sie angelogen. In der Türkei gibt es unter dieser Adresse keine Bar. Sie hat Oxana an Menschenhändler verkauft. Von da an wird sie immer wieder weiter verkauft. Sie arbeitet in Clubs und Bordells in Rumänien, Italien, Deutschland, England unter schlimmsten, menschenunwürdigsten Bedingungen … Schläge, Vergewaltigungen, Demütigungen, Hunger … es gibt nichts, was es nicht gibt …

Man mag kaum glauben, dass diese Umstände wahr sind und sich Frauen, teils gezwungenermaßen, teils „freiwillig“ aus der Not heraus in eine solche Situation begeben. Traurig. Aufrüttelnd. Lesenswert.

Oxana Kalemi hat 2011 eine Petition eingereicht und zusammen mit anderen Frauen und Vereinigungen zu einer Gesetzesänderung bezüglich Menschenhandels aufgerufen. In der Zeitung THE INDEPENDENT wurde am 20.03.2011 über ihren Protest vor der Downing Street 10 berichtet:
http://www.independent.co.uk/news/uk/crime/sign-here-mr-cameron-to-stop-human-trafficking-2247055.html

Oxana Kalemi ist die Frau auf dem Foto im roten Mantel.

Das Buch gibt es hier:

Buchtipp Lucia Jang

BUCHTIPP

„Ich bat den Himmel um ein Leben: Eine Mutter erzählt ihre Flucht aus Nordkorea“ von Lucia Jang

Die Protagonistin hat mithilfe einer Übersetzerin und einer Autorin ihre Lebensgeschichte zu Papier bringen lassen. Sie lebt mittlerweile mit ihrem Sohn in Kanada – in Sicherheit.

Lucia beginnt im Buch ihr Leben in Nordkorea von klein auf zu erzählen. Die Lebensumstände der Familie in karger Behausung mit zugeteilten Essensrationen. Der ständige Hunger, das bessere Leben derer, die der Partei angehören. Da ihre Noten nicht sehr gut sind, kann sie nicht Lehrerin werden, sie muss eine technische Schule besuchen. Sie fällt auf einen Kommilitonen herein, der keine festen Absichten hat. Als sie schwanger ist, heiratet er sie dennoch und behandelt sie danach schlecht. Die Familie kann aber die Tochter nicht zu sich zurückholen. Man würde das Gesicht verlieren. Eine Frau ist in Korea ihrem Mann ausgeliefert. Er erhält auch die Essensrationen für Frau und Kind zugeteilt. Ginge sie zu den Eltern, würden weder sie noch ihr Sohn etwas zu essen haben.

Während sie von der Mutter zur Cousine auf Besuch geschickt wird, wird ihr kleiner Sohn an ein reiches Ehepaar verkauft. Obwohl ihn dort ein besseres Leben erwartet, zerreißt es Lucia beinahe das Herz. Sie macht sich auf die Suche nach ihrem Sohn und versucht – verbotenerweise – illegal in China zu arbeiten, um ihrer Familie Geld und Nahrung nach Hause schicken zu können. Doch wer dabei erwischt wird, den Fluss Tumen zu durchqueren, um in China zu arbeiten oder Essen zu tauschen, wird hart bestraft. Wer nicht erschossen wird, dem drohen Arbeitslager oder Gefängnis. Lucia wird gleich mehrfach erwischt.

Schließlich wird sie sogar erneut schwanger (von einem Chinesen, was ein großes Unglück ist, da die Regierung eine Mischung des Blutes von Chinesen und Koreanern nicht billigt und normalerweise eine Abtreibung befielt) und bringt außerhalb des Straflagers ihren zweiten Sohn zur Welt. Diesesmal versuchen ihre Eltern sie zu unterstützen, wo sie beim ersten Sohn versagt haben. Doch es gibt kaum etwas zu essen und so wagt Lucia die spektakuläre Flucht. Mit ihrem Sohn in einer Plastiktüte watet sie durch den eiskalten Fluss Tumen nach China in die Freiheit … Es gelingt ihr, von China nach Südkorea zu gelangen, wo sie zunächst einige Jahre lebt, bevor sie nach Toronto/Kanada geht. Lucia Jang ist nicht ihr echter Name.

Ihre Geschichte in ihren eigenen Worten kurz zusammengefasst auf youtube:

Das Buch ist spannend, weil er einen Einblick in Lebensumstände gewährt, die einem Westeuropäer schlicht nicht vertraut und auch nicht geläufig sind. Das Bild, das von der koreanischen Kultur und Politik gezeichnet wird, ist erschütternd. Hungersnöte, Demütigungen, enge gesellschaftliche Zwänge bilden den Rahmen eines Lebens, das man sich kaum vorstellen kann … Erschütternd. Aber lesenswert.

Das Buch ist hier erhältlich:

 

Lewis Carroll und seine Alice

Lewis Carroll und seine Alice

Lewis Carroll, Foto von Oscar Gustave Rejlander, 1863

Lewis Carroll (* 27. 01.1832 in Daresbury im County Cheshire; † 14.01.1898 in Guildford im County Surrey) hieß eigentlich Charles Lutwidge Dodgson). Er war ein berühmter britischer Schriftsteller sowie erfolgreicher Fotograf, außerdem Mathematiker und Diakon. Eine interessante Mischung! Seine berühmten Bücher über Alice im Wunderland kennt heute noch jedes Kind.

Unzählige Verfilmungen in allen Varianten existieren, eines der jüngsten Werke ist der Film mit Johnny Depp in der Rolle des verrückten Hutmachers. Damals wurden seine Werke als „Nonsense-Literatur“ bezeichnet.

Weiterlesen